Das ewige Einerlei im Leben und Arbeiten des Eifelers fand eine willkommene Abwechselung in den Kirmessen, die sich von Ostern bis zum Nikolaustag auf die einzelnen Ortschaften verteilten. Die Kirmes ist aus der Kirchweihe entstanden. In dem Wort Kirmes hat sich das mittelhochdeutsche „Kirchmesse“ erhalten, was auf seinen kirchlichen Ursprung hinweist. Die festliche Begehung des Tages, an dem die Kirche eines Ortes geweiht worden war, lässt sich bis ins 9. Jahrhundert nachweisen. Früh schon hat das Fest einen weltlichen Anstrich bekommen. Denn zu dem Fest strömten die Nachbarn von nah und fern zusammen. Die Zusammenballung solcher Menschenmassen an einem Ort lockte die Handelsleute an, aber auch Angehörige der Gewerbe, die der Unterhaltung dienten, wie Musikanten und fahrende Leute.
Die Kaufgelegenheit zur Kirmes entsprach einem dringenden Bedürfnis. Auf den Dörfern gab es damals noch keine Möglichkeit, nützliche und angenehme Dinge einzukaufen. Ebenso wenig gab es besondere Vergnügen und Unterhaltung. Wirtshäuser waren noch nicht einmal in jedem Ort vorhanden. Der Weg in die Stadt aber, die all das auch damals schon anbot, war weit und nicht immer gefahrlos. Die klassische Zeit der Kirmes war das Spätmittelalter im 16. und 17. Jahrhundert. Damals entdeckten die großen Künstler die Kirmes und machten sie zum Gegenstand ihrer Gemälde.
Die Festtage einer Kirmes brachten schon Wochen vorher jede Menge Arbeit für die Bewohner des Hauses. Die Handwerker hatten vollauf zu tun um alle Aufträge zu erfüllen. Draußen wurden die Häuser gestrichen und getüncht, zum Teil auch die „Stoff“, das gute Zimmer. Schumacher, Schneider und Schreiner hatten vor der Kirmes auch volle Auftragsbücher. Die Hausfrau besorgte mit den Töchtern oder der Magd den großen Hausputz oder sogar die Jahreswäsche am Bach.
Die größte Geschäftigkeit war in der letzten Woche vor der Kirmes bedingt durch das Schlachten, Backen und den großen Kirmeseinkauf. Häufig erstanden mehrere Landwirte zusammen ein Kirmesbiest, Ochse oder Öchslein, oder aber sie sicherten sich ihren Anteil an einem zu diesem Zweck gemästeten Rind und deckten so ihren Bedarf an Fleisch. Die Haufrau setzte ihren Stolz darin, den Kirmesweck, den einzigen im Jahr, selbst zu backen. Je nach Größe der Familie oder des zu erwartenden Besuchs, wurden 20 bis 30 Stück Kuchen, Taate und Kränze gebacken.
Da nicht jeder über so einen großen Backofen zum Abbacken verfügte, wurde das Abbacken der guten Sachen dem Ortsbäcker übertragen. Im Handwägelchen (Bollerwagen) wurde das Gebäck dorthin geschafft.
Wenn der Platz im Handwagen nicht ausreichte wurde das Gartentürchen ausgehängt und als zweite Transportetage auf den Wagen gelegt.
Feinschmeckereien und exklusive Leckerbissen suchte man auf einer Eifeler Kirmestafel vergebens. Dafür bot sie eine gute bürgerliche Kost in reichhaltigstem Maße. Da gab’s Rind- und Schweinefleisch, Bratwurst, Braten und Schinken, bis auch das letzte Eckchen des Magens gefällt war. Der Vater oder Hausälteste zerteilte selbst an seinem Platz auf einer großen Tellerplatte das Fleischstück und ließ dies von Gast zu Gast weiter eichen. Das Hauptgemüse war ein gut schmeckendes ohne Mehl angerichtetes Sauerkraut. Als Tischgetränk reichte man Schnaps, der im Gläschen von Mund zu Mund wanderte. Mein Großvater konnte sich noch daran erinnern, dass in seiner Jugend noch jeder Gast sein Taschenmesser (meist das so genannte belgische mit besonders starker Klinge) als Tischmesser benutzte.
Nach dem Grundsatz „Nicht wenig, aber gut“, war auch der Kaffeetisch am Nachmittag gedeckt. Mehrere Butterwecke von 6 bis 10 Pfund waren keine Ausnahme. Auch die Taate wurden zusätzlich noch mit Butter und Honig bestrichen. So befriedigte das Kirmesessen durch seine Qualität und noch mehr durch Quantität die Gäste und lohnte ihren sehr weiten Weg. Doch auch an die Angehörigen der Gäste wurde gedacht. Man gab ihnen einen oder zwei Kuchen und Kränze mit auf den Heimweg, so dass häufig mehr Gebäck auf diese Art als auf dem Fest selbst verbraucht wurde. Verpackt wurde das Mitbringsel überwiegend in einem übergroßen bunten Taschentuch, dass in der Hand oder an einem Stecken über der Schulter getragen wurde. Die heutige Kirmes und ihre Eßgewohnheiten haben sich so grundlegend geändert, dass dafür ein gesondertes Kapitel erforderlich ist. |
Bereits eine liebenswerte Tradition
Obwohl erst mit Übernahme der Kirmesorganisation und Verantwortung durch das Vereinskartell Mechernich eingeführt, erfreut sich der Kindertag bei der Früh- und Herbstkirmes in Mechernich wachsender Beliebtheit.
Bei einer der vielzähligen Besprechungen zu den Kirmesveranstaltungen wurde über Sinn und Zweck des Kirmesfeuerwerks diskutiert und dabei festgestellt, dass die Geldmittel hierfür wesentlich sinnvoller eingesetzt werden könnten.
Der Entschluss, stattdessen lieber die Kinder unserer Kindergärten einzuladen, am Montagvormittag kostenlos auf den Kinderfahrgeschäften zu fahren, war, gerade auch von den Schaustellern unbedingt gewünscht, schnell in die Tat umgesetzt. Die Bereitschaft eines Reihengeschäftes, an die Kinder Popcorn und/oder Waffeln auszugeben, rundete diese wunderbare Idee ab.
Heute heißt dieser Tag „Familientag“
Um speziell den Kirmesmontag attraktiver zu gestalten, wird ein Familientag veranstaltet.
So können die Besucher am Montag Waffeln, gebrannte Mandeln, Slush-Eis, Pfeilwerfen, Entenangeln und vieles mehr an den Reihengeschäften sowie Getränke und Speisen zu reduzierten Preisen genießen. Auf der Südseewelle, dem Autoskooter, der Raupe und auf allen Kinderfahrgeschäften heißt es den ganzen Tag „Einmal bezahlen = zweimal fahren“ (gültig nur für Einzelfahrten). |